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Leseprobe

Was bisher geschah: 

 

Creative Director Tina Roth ist frustriert. Beim Shooting für ihre neuste Kampagne läuft alles schief. Das Geschäft mit der Auftraggeberin scheint zu platzen und der Agenturleiter und Chef von Tina tobt vor Wut. Gemeinsam mit ihrem Assistenten Lukas Fischer ver- sucht Tina, die Wogen zu glätten. Sie schlägt vor, den Sohn der Auftraggeberin um Hilfe zu bitten. Dieser willigt halbherzig ein. Tina und Lukasbefinden sich nach dem Gespräch auf dem Heimweg vom Bruderholz zum Wettsteinplatz, als sie kurz noch bei der Mutter von Lukas vorbeischauen. Tina erzählt Lukas‘ Mutter Sabine, dass sie den Auftrag für eine Kosmetikkampagne aus eigenem Verschulden verloren haben. In einem Nebensatz erwähnt daraufhin Sabine, dass ihr verstorbener Mann an die ewige Schönheit geglaubt habe.

«Wie ist er darauf gekommen?»
«Eine seiner Spinnereien. Nebst all den vielen Erkenntnissen, den grossen Geheimnissen, die er der Erde in seinen vierzig Arbeitsjahren entlockte, träumte er immer davon, dem ewigen Leben und der Bundeslade auf die Spur zu kommen. Und der ewigen Schönheit. Davon war er total besessen.»
«Darüber hast du noch nie mit mir gesprochen.»
«Weil es Hirngespinste sind, Sohn. Unser Leben auf der Erde ist endlich. Die Bundeslade wird niemals gefunden, genauso wenig wie die Menschen in der Bibel tausend Jahre lebten. Und die ewige Schönheit gibt es auch nicht.»
«Aber Paps glaubte daran.»
«Mehr noch. Er war dem grossen Geheimnis auf der Spur. In seinen letzten Jahren forschte er nur noch nach der ewigen Schönheit. Die sollaus einer geheimnisvollen Mischung von Pflanzen und Granulaten bestehen. Sie bewirken, dass der natürliche Alterungsprozess gehemmt wird. Du wirst zwar älter, aber deine Haut, dein Körper altern nicht in dem Masse, dass du unansehnlich, runzlig wirst. Wenn es dieses geheime Rezept gibt, ist es heute sowieso überholt.»
«Das verstehe ich nicht.»
«Ganz einfach, Tina. Die Alchemisten von früher sind die Schönheitschirurgen von heute. Ich habe mir vor Kurzem einen Bericht im Fernsehen angeschaut. Eine Miss-Wahl in Brasilien. Alle um die 50, alle inzwischen Omas. Und sie sehen wie 20-Jährige aus. Das Geheimrezept von Paul hat ausgedient. Es wurde durch Skalpell und Botox ersetzt. Wann werde ich eigentlich Oma?»
«Da musst du dich noch ein wenig gedulden. Zuerst muss mir die richtige Frau zulaufen.»
«Was ist mit Tina? Du schwärmst in den höchsten Tönen von ihr. Ihr versteht euch doch prächtig.»
«Mam!»
«Was, Mam! Die wäre die Richtige für dich. Etwas älter als du, intelligent, schön und geschäftlich versteht ihr euch auch. Du musst dir dann halt eine andere Stelle suchen, Sohn.»
«Wieso denn das?»
«Weil ihr sonst 24 Stunden aufeinanderhockt. Das geht nicht gut.»
«Was soll diese Diskussion? Wir sind gute Freunde, mehr nicht.»
«Er kommt nach meinem Mann, Tina. Wenn ich damals nicht die Initiative ergriffen hätte, wäre ich eine alte Jungfer geworden. Kein Mumm in den Knochen! Aber nur, was die Frauen anbelangt. Sonst liess Paul nichts aus. Er grub seine Knochen in Ländern aus, in denen sich neben ihm die gegnerischen Parteien Gefechte lieferten, sich massakrierten. Wenn du ihn liebst, musst du einfach zupacken. Sonst wird nichts aus euch.»
«Danke für den Tipp. Mich würde das mit der ewigen Schönheit schon etwas näher interessieren.»
«Das brauchst du nicht, Mädchen. Ich kenne keine schönere Frau als dich.»
«Nein, ich meine, wie ist er darauf gekommen?»
«Durch seinen Aufenthalt in Syrien. Anscheinend sind ihm dabei auf einer Tafel eine Formel und ein Text in die Hände geraten. Von einem Arzt aus dem Altertum. Das war irgendwo in Syrien. Dort, wo Krieg herrscht. In Qatna.»

«Das sagt mir gar nichts.»
«Ein altes Königreich. Im 2. Jahrtausend vor Christus eine wichtige Handelsmetropole. Die Qatnaer kontrollierten wichtige Handelswege, vor allem zwischen Ägypten und Mesopotamien. Bei Ausgrabungen wurden sehr viele Tontafeln entdeckt. Aber wie bei allen Gräbern waren vor den Archäologen Grabräuber am Werk. Ausser bei einer alten Grabkammer. Die muss mindestens 3500 Jahre alt sein. Ein Archäologenteam aus Tübingen fand eine unversehrte Grabkammer im Jahr 2009. Sie war vollkommen instand. Seit der IS die Macht in der Gegend übernahm, wurden die Grabungen eingestellt.»
«Woher weisst du das alles, Mam?»
«Ich verfolge noch immer die Spuren deines Vaters.»
«War dein Mann Teilnehmer an der Expedition?»
«Nein, das war kurz vor seinem Tod. Paul leitete eine im Jahr 1999. Aber nicht besonders erfolgreich. Sie fanden nur ausgeraubte Grabkammern.»

«Aber in einer lag die Tafel mit den Aufzeichnungen?»
«Falsch. Die kaufte er bei einem der Grabräuber und schmuggelte sie nach Basel. Er versuchte sie mit seinem Assistenten zu entziffern. Er schloss sich Wochen lang mit ihm ein, bis er mit dem Ergebnis kam. ‹Es fehlt nur noch ein kleines Teil vom Puzzle und dann weiss ich, wie wir eine Substanz herstellen können, die das Altern verhindert. Ich bin einem der grossen Geheimnisse der Menschheit, der ewigen Schönheit, auf der Spur›, freute er sich. Ich musste lachen. ‹Wenn du der ewigen Liebe auf der Spur wärst, das würde mehr Sinn machen.› Da müssten die Leute nur auf uns schauen, war seine Antwort. Paul war ein Romantiker.»

«Und was ist aus der Tafel geworden? Und den Aufzeichnungen?»
«Das weiss ich nicht. Da müsst ihr Peter Stoll fragen. Der war damals sein Assistent.»
«Professor Stoll?»
 

«Ist er inzwischen Professor? Das hat er mir die ganzen Jahre über verschwiegen. Ich mag ihn. Nach dem Tod von Paul ist unsere Beziehung zuerst etwas abgebrochen. Aber seit drei Jahren treffen wir uns wieder regelmässig. Ein intelligenter Mann. Etwas schräg. Er arbeitet nur noch sporadisch an der Universität. Er lebt ziemlich zurückgezogen in seinem Elternhaus in Allschwil.»

«Bist du sicher, dass sich die Tafel nicht mehr im Haus befindet?»

«Ganz sicher. Die hätte ich längst gefunden. Weshalb interessiert ihr euch dafür?»

«Weil wir das Rezept der ewigen Schönheit finden wollen.»

«Tina, Tina! Ich hielt dich bisher für eine intelligente, aufgeschlossene Frau. Glaubst du tatsächlich, dass es ein solches Rezept gibt? Von jemandem vor 4000 Jahren entdeckt. Schau mich an. Ich bin eine eitle Frau. Wenn ein solches Rezept tatsächlich existiert, hätte ich es längst ausprobiert.»

«Du bist für dein Alter eine äusserst attraktive Frau.»

«Immer mit der Einschränkung für mein Alter. Paul liess sich vom Verkäufer einen Bären aufbinden. Die angebliche Tafel war eine Fälschung. Glaubt mir, Paul war ein genialer Kopf. Aber auch ein extremer Spinner.Er konnte den heiligen Gral nicht finden, den Stein der Weisen ebenfallsnicht, das ultimative Elixier für das ewige Leben gab es auch nicht, es blieb also die ewige Schönheit. Und die glaubte er auf der Tafel zu entdecken. Es sind übrigens noch mehr Spinner wie dein Vater unterwegs.»

«Was meinst du damit?»

«Vor einem Monat ist einer aufgetaucht. Angeblich ein Journalist. Man kann mir viel vormachen, aber das war kein Reporter. Er wollte ein Interview mit mir über Pauls Verdienste durchführen. Nach einer halben Stunde lenkte er das Thema auf die Schönheit. Zuerst im Allgemeinen, dann aber versuchte er mich auszuhorchen. Ich weiss nicht, woher er wusste, dass Paul in seinen letzten Jahren nur noch zu dem Thema forschte. Ich hielt mich bedeckt. Stellte mich dumm. Da brach er das Interview ab, bedankte sich artig und verschwand.»
«Davon hast du mir nichts erzählt, Mam.»
«Ich hielt es nicht für notwendig. Es ist mir nur gerade eingefallen, weil Tina genauso gierig nach dem Rezept und der Tafel fragt.»
«Wie sah der Mann aus?»
«Um die sechzig. Graues Haar. Ziemlich elegant gekleidet. Deshalb dachte ich auch, dass das kein Journalist sein kann. Die kommen doch immer eher leger oder sogar schmuddelig daher.»
«Die Beschreibung passt auf die ganze Welt.»
«Ich achtete mich nicht so sehr darauf. Der Mann amüsierte mich, wollte mich für dumm verkaufen. So, wie er kam, verschwand er wieder.»

«Bist du sicher, dass sich keine Kopie der Abschrift der Tafel im Hausbefindet?»
«Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, Tina. Wenn ihr wollt, suche ich danach. Oder ihr könnt es selbst machen. Pauls Aufzeichnungen füllen mehr als fünfhundert Ordner. Sie sind zwar detailliert angeschrieben, aber allein seine Forschungstätigkeit in Syrien füllt mehr als hundert von ihnen. Ich zeige sie euch, dann könnt ihr euch durch seine Aufzeichnungen wühlen.»
«Wir unterhalten uns zuerst mit Peter Stoll. Wenn er damals Pauls Assistent gewesen ist, kennt er die Ergebnisse der Forschung.»
«Der war genauso verrückt wie mein Mann. Noch eine Tasse Kaffee? Und denk an meine Worte, Tina. Wenn du meinen Sohn willst, musst du ihn an dich reissen. Er ist wie sein Vater.»
«Stell dir vor, es gibt ein Rezept, das das Altern verhindert. Keine Schön- heitsoperationen, kein Botox. Du nimmst nur das Rezept ein und bleibst ewig schön.»

«Davon war nicht die Rede, Lukas. Du bleibst schön, aber deinem Alter entsprechend.»
«Trotzdem. Du bist sechzig und siehst aus wie vierzig. Ob Creme, Tablette oder Lotion, damit verdienst du Milliarden.»

«Ich tippe auf eine Salbe, wenn das Rezept 4000 Jahre alt ist.»
«Jeder Mensch auf der Welt, ob Frau oder Mann, streicht sich das Zeug ein, weil er einigermassen ansehnlich bleiben will.»
«Unter der Voraussetzung, dass er oder sie es sich leisten kann.»
«Du wischst damit sämtliche Kosmetikprodukte vom Markt. Es braucht nur noch die eine Salbe.»
«Wer war der ominöse Typ bei Sabine?»
«Keine Ahnung.»
«Und woher wusste er, dass Paul und Peter Stoll sich mit der ewigen Schönheit auseinandergesetzt haben?»
«Das kann uns nur der geheimnisvolle Fremde erzählen.»
«Weisst du, wo wir Peter Stoll auftreiben können?»
«Vielleicht an der Uni. Oder zu Hause.»
«Ruf an der Uni an. Ich schau inzwischen, ob ich seine private Adresse in Allschwil rausbekomme.»
«Bist du sicher, dass wir das tun sollten, Tina?»
«Wenn wir schon hops gehen, können wir auch versuchen, eines der grossen Geheimnisse der Menschheit zu lüften.»

 

... lesen Sie im spannenden Abenteuerroman, wie die Geschichte weitergeht.

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